Clarance Seedorf zum Fußball in Brasilien

Ab Juni wird in Brasilien die Fußball-WM gespielt. Die Mannschaft des Gastgebers hat mit dem Gewinn des Confed-Cups die Hoffnungen auf den Titelgewinn gesteigert. Und auch der brasilianische Liga-Fußball erlebt einen Aufschwung.

Stars, zugegeben nicht mehr die jüngsten, zieht es seit einiger Zeit zum Karriereende in die brasilianische Liga. Diego Forlan wurde 2010 zum besten Spieler der WM-Endrunde gewählt, er spielt nun bei International Porto Alegre. Der frühere Weltfußballer Ronaldinho schnürt inzwischen für Atletico Mineiro die Kickstiefel, außerdem sind Emerson, Ronaldo, Adriano, Ze Roberto, Fred und viele weitere Stars zurück in ihre Heimat gekehrt. Der größte Transfer war sicherlich die Verpflichtung des vierfachen Champions League Siegers Clarance Seedorf. Der Niederländer hat 2012 bei Botafogo in Rio de Janeiro unterschrieben. Inzwischen hat er seine aktive Karriere beendet und trainiert den AC Mailand.

Wichtig für die brasilianische Liga: Investoren kommen, die Gehälter stimmen, man muss sich nicht mehr vor europäischen Großclubs verstecken. Talente bleiben länger im Land als früher, viele entscheiden sich auch für einen Verbleib in der Heimat – gerade jetzt, so kurz vor der WM. Beispiele gefällig? Bernard, Adryan, Fernando. Die Investitionen werden weiter gehen. In neue Stadien wurde extrem investiert – und damit die Bevölkerung auf den Plan gerufen, die Unruhen während des Confed-Cups und der WM-Auslosung werden nach wie vor heiß diskutiert. Aber wie ist der Fußball selbst in der brasilianischen Liga?

Er unterscheidet sich deutlich vom europäischen Spitzenfußball. „Er ist insgesamt etwas technischer“, sagt Seedorf, selbst noch in bester körperlicher Verfassung. „Und auch nicht so hart wie in Europa.“ Spaß hat der 37-Jährige immer noch, verrät er, als wir ihn bei den Laureus World Sport Awards 2013 in Rio trafen.

Kleiner Wehmutstropfen für die brasilianische Liga und den Fußball in Brasilien: Einer ihrer Paradiesvögel ging im Sommer 2013 nun doch schon ins Ausland, bevor sein Vertrag offiziell endete. Neymar verließ den FC Santos bekanntermaßen gen Spanien. Für rund 57 Millionen Euro Ablöse (oder doch knapp 100 Millionen?) schloss er sich dem FC Barcelona an. Marcel Desailly, Weltmeister 1998 mit der französischen Equipe, sagt über ihn: „Er hat Potential, aber man muss sehen, wie er sich schlägt, wenn er es mit internationalen Spitzenspielern zu tun bekommt.“ Insofern sind die europäischen noch einen Schritt weiter, als die brasilianische Liga. Aber nicht mehr lange, glaubt man dem ehemaligen Bayern-Profi Ze Roberto. Der sagte 2012 in einem Interview: „Aufgrund ihrer großen Namen entwickelt sich die brasilianische Liga allmählich zur wichtigsten weltweit, mit mehreren Titelanwärtern. Und das Niveau dieser Spieler wird die Klubs in Brasilien noch stärker werden lassen.“