Das Maracana Stadion – Die Kathedrale des Fußballs

Das Stadion Maracana in Rio de Janeiro ist wohl eines der bekanntesten und geschichtsträchtigsten Stadien der Welt. In diesem Jahr, bei der WM 2014 wird es zum zweiten Mal Austragungsort eines Finals um die Weltmeisterschaft. Das Stadion ist schön, doch der Mythos bröckelt.

Das Maracana in Rio de Janeiro ist das größte Stadion in dem bei dieser Weltmeisterschaft gespielt wird. Vor jeweils 73.531 Zuschauern, ausverkauftes Haus angenommen, werden insgesamt sieben WM-Spiele ausgetragen, Finale inklusive. Außerdem vier Vorrundenbegegnungen sowie je ein Achtel- und ein Viertelfinale.

©Martin Glashauser

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Die WM 1950
Zwei Allstar-Mannschaften aus Rio und Sao Paolo spielten die Eröffnungspartie des einst größten Stadions der Welt. Wenige Wochen später, bei der Weltmeisterschaft 1950 erlebten geschätzte 200.000 (offiziell : 179.300) Menschen das „Finale“ zwischen Brasilien und Uruguay. Und zugleich die erste große Tragödie der „Kathedrale des Fußballs“ (Ronaldo). Aufgrund des Spielmodus hätte Brasilien damals ein Unentschieden gereicht, um Weltmeister zu werden. Die Selecao ging auch durch Friaca (47. Minute) in Führung, zwei Gegentreffer von Juan Schiaffino (66.) und Alcides Ghiggia (79.) machten dann aber die „Urus“ zum Titelträger. Trotzdem entwickelte sich um das Stadion in der Folgezeit ein Mythos.

Ein Stadion – vier Clubs
Die besten Spieler der Welt haben im Maracana gespielt. Pele, Carlos Alberto, Garincha, Romario und Zico um nur einige zu nennen.  Zico ist der erfolgreichste Spieler im Maracna: 435 Mal spielte er dort und erzielte dabei 333 Tore, so viele wie kein anderer.  Dass so viele Stars im Maracana spielten und spielen ist zwei einfachen Tatsachen geschuldet: Aller vier großen Stadtclubs aus Rio de Janeiro, Flamengo, Batafago, Fulminense und CR Vasco da Gama, nutzen einst das Maracana als Heimstadion. Außerdem wurden und werden regelmäßig Länderspiele dort ausgetragen.

Mehr als Fußball
Doch nicht nur für Fußballspiele wurde das Maracana genutzt. Zahlreiche Musikgrößen gaben hier Konzerte, unter anderem: Frank Sinatra, Kiss, Tina Turner, Paul McCartney, Udo Jürgens, Madonna, Sting und die Rolling Stones. 1980 wurde das Maracana dann wirklich zu Kathedrale. Papst Johannes Paul II feierte bei seinem Brasilienbesuch die größte Papstmesse auf lateinamerikanischem Boden. Im Laufe der Zeit musste das Stadion immer wieder renoviert oder umgebaut werden, insgesamt drei Mal. Inzwischen steht vom Stadion nur die historische Fassade. Ansonsten ist alles neu, inklusiver neuer Dachkonstruktion. Ein Membrandach, übrigens von Stuttgarter Architekten entwickelt, überdeckt nun das komplette Rund. Das Stadion ist top in Schuss, aber wie steht es um den Mythos Maracana?

Die Fassade ist heil, der Mythos bröckelt
War es bis vor etwa einigen Jahren noch die Fassade des Stadions, die bröckelte, so ist nun der Mythos, der sich immer weiter verliert. Das Stadion, das für die Weltmeisterschaft 1950 von insgesamt 11.000 Arbeitern erbaut wurde, war seit dem ein Schmelztiegel der Gesellschaft. Nicht zufällig wurde das Maracana im gleichnamigen Armenviertel der Stadt Rio de Janeiro erbaut. Zuschauer aus allen sozialen Schichten sollten Zugang zum Maracana haben, es war das Stadion des Volkes. Zahlreiche Stehplätze sorgten für günstige Eintrittskarten. Als das Stadion erstmals renoviert werden musste, wurden 4500 Sitzplätze zur Nutzung auf Lebenszeit bei Sportveranstaltungen und Popkonzerten an Fans verkauft, um die nötigen finanziellen Mittel aufzutreiben.  Bürger wurden Miteigentümer. Stets war das Maracana, das offiziell Estadio Jornalista Mario Filho heißt, in Besitz des Staates Rio de Janeiro. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Da kommt zum einen der Fußball-Weltverband ins Spiel. Die Fifa oktroyiert auch den Brasilianern ihre Vorgaben auf, was die Anforderungen an ein WM-Stadion angeht. Bei den Nutzungsverträgen zwischen Fifa und brasilianischer Regierung wurden zudem die Kleinmiteigentümer übergangen – diese haben inzwischen Klage eingereicht, zunächst Recht bekommen, in Revisionsverfahren aber verloren. Der entstehende Imageschaden wurde als Argument von Regierungsseite angeführt, damit die Sitzplatzinhaber auf ihr – eigentlich vertraglich zugesichertes – Platzrecht verzichten.

Mit hunderten Millionen aus öffentlicher Hand für die WM fit gemacht, wurde das Nutzungsrecht für das Stadion inzwischen an ein privates Konsortium veräußert. Einen niedrigen Millionenbetrag zahlt selbiges dafür – im Jahr. Pikant dabei: Der Führer des Konsortiums, der frühere Multimilliardär Eike Batista, ist ein guter Freund des Gouverneurs von Rio de Janeiro und hat diesen im Wahlkampf finanziell stark unterstützt. Bis die Ausgaben so wieder refinanziert sind, wird es Jahrzehnte dauern. Viele wittern hier Korruption und Vetternwirtschaft. Auch an all diesen Umständen entzündeten sich im Jahr 2013 immer wieder Proteste der Bevölkerung und von Abgeordneten des Regionalparlaments, die sich bis heute hinziehen.

Am 13. Juli wird also in diesem Maracana, diesem geschichtsträchtigen Ort, die Weltmeisterschaft entschieden werden. So wie 1950. Der große Unterschied: Es wird dieses Jahr wohl eher ein Finale des Geldes, nicht des Volkes.