DFB-Pokal Halbfinale – Darum hat es nicht geklappt

Die Choreografie, die die Fans des FC Bayern vor dem DFB-Pokal Halbfinale gegen Borussia Dortmund zeigten, konnte sich sehen lassen. In Anspielung auf den Torjubel der Dortmunder Pierre-Emerick Aubermeyang und Marco Reus, die einst beim Derby in Schalke nach einem Treffer Fledermausumhang und Robin-Maske anzogen, prangten in der Südkurve Ribery und Robben mit denselben Superhelden-Insignien und darunter der Schriftzug: „The real Badman and Robben“. Und auch die Leistung der Bayern konnte sich sehen lassen. Dass es am Ende der Dortmunder Batman war, der traf passte ins Bild dieses verflixten Abends.

Im Grunde lief die Partie so, wie man sie sich als Bayern München vorstellte. Das Dortmunder Pressing lief meist ins Leere, kamen die Borussen trotzdem mal nach Ballgewinn zu Pässen in die Tiefe, hatten Jerome Boateng und Medhi Benatia den Fuß dazwischen. Torgefahr BVB in Halbzeit eins: nicht vorhanden. Die Bayern hingegen kontrollierten das Spiel, gingen ihrerseits mit einem „Dortmunder“-Plan in Führung. Benatia fängt einen Pass im Mittelfeld ab, schickt direkt Robert Lewandowski und der vollstreckt – nach einem kleinen Umwegs-Doppelpass mit dem Pfosten.

Nichts deutet darauf hin, dass der FC Bayern dieses Spiel nicht für sich entscheidet. Eher liegt das 2:0 in der Luft, Chancen für die Münchener, Lattentreffer, ein nicht gegebener Elfmeter. Als beim Stand von 1:0 in der 68. Minute auch noch Arjen „the real“ Robben in die Partie kommt, steigt die Stimmung in der Arena. Einzig der Spieler, der den Platz leicht humpelnd verlässt, schaut nicht besonders glücklich. Es ist Thiago Alcantara, der bis dahin erneut im Mittefeld überragend die Fäden gezogen hat.

Diese Auswechslung ist nicht die logischste – man hätte auch Schweinsteiger bringen können –, aber sie auf den zweiten Blick vertretbar. Das 2:0 sollte her, so schnell wie möglich. Dann wäre die Partie gelaufen gewesen, Bayern im Finale. Wie ein Boxer, der seinen Gegner am Rande des Knock Out hat und alles daran setzt, den alles entscheidenden Punch zu setzen, wollten die Bayern den Treffer mit mehr Offensive erzwingen. Noch mehr Dampf nach vorne, dazu den leicht angeschlagenen Thiago für die Partien im Champions League Halbfinale gegen den FC Barcelona schonen. Robben kriegt etwas Spielpraxis vor den wichtigen Partien der nächsten Wochen. Sinnvolle Überlegungen, zumal Dortmund nach vorne auch in der zweiten Halbzeit nichts gelang.

Der Abend wird zum verflixten Abend
Aber der 70. Minute etwa kippte das Spiel und für die Münchner ging alles schief, was schief gehen konnte. Xabi Alonso, in der Hinrunde überragend, in der Halbfinale-Partie bis dahin sehr solide, begann wie die gesamte Mannschaft seine Pässe ungenauer zu spielen. Seine taktischen Fouls nahmen zu – wer kleinlich pfeift, hätte den Spanier auch mit Gelb-Rot vom Platz schicken können. (Abnehmende Superkräfte?) Dortmund bringt Henrich Mchitarjan, hat mehr Zug im Spiel, spielt direkter und erzielt den Ausgleich durch – Batman – Aubermeyang. Der BVB im Anschluss sogar gut Gelegenheiten in Führung zu gehen, Neuer hält stark. Den Bayern entgleitet auf fast schon unerklärliche Weise das Spiel.

Guardiola versucht zu reagieren, bringt Bastian Schweinsteiger für Thomas Müller – dummer Weise neben Thiago den bis dahin größten Aktivposten. Doch auch diese Auswechslung macht Sinn. Es steht schließlich Robben auf dem Platz, der auf rechtsaußen auch nach fünfwöchiger Verletzungspause eine Waffe ist. Dass sich eben dieser Robben kurz danach mit einem Muskelbündelriss in der Wade wieder verabschiedet – quasi den wirklichen real Robben macht – konnte man nicht erahnen. Mario Götze kommt, Guardiola stellt auf 4-4-2 um.

Gegen Ende der Partie haben die Bayern das Geschehen wieder im Griff, die großen Möglichkeiten wollen sich aber nicht mehr einstellen. Erst in der Verlängerung hat Bastian Schweinsteiger zwei Mal die Führung auf dem Kopf, drückt den Ball einmal nicht, das andere Mal hält Langerak überragend – Superkräfte? Mit ähnlichen „Superkräften“ räumte der Torwart wenig später im Strafraum Lewandowski um (Diagnose: Gehirnerschütterung und Kiefer- und Nasenbeinbruch) – dass Schiedsrichter Peter Gagelmann hier weiterlaufen lies, ist hart, auch wenn man ihn nicht zwingend geben muss. Dass sich Langerak anschließend nicht einmal kümmert, ist allerdings unglücklich. Im Elfmeterschießen rutschen die Bayern aus dem Pokal und Dortmund fährt nach Berlin.

Zwei Gründe für die Niederlage
Und was sind jetzt die Gründe für Bayerns Niederlage? Es gibt eigentlich nur zwei: die ab der 70. Minute einsetzende Unkonzentriertheit und Pech. Alles andere macht keinen Sinn. Auf Guardiolas Auswechslungen zu schimpfen: ist einfach, aber nicht ganz schlüssig (vgl. oben).

Auf den Schiedsrichter zu schimpfen? Gagelmann hatte nicht seinen besten Tag, aber alleine schuld an der Niederlage war er nicht. Klar, ein nicht gegebener Elfmeter ist sehr ärgerlich. Aber: erstens, muss man den auch erstmal machen. Und zweitens: Werden vorher die Chancen genutzt, ist der Kas bissen und die Elfmeterszene beinahe irrelevant. Zudem gehören Fehlentscheidungen zum Fußball dazu – man denke hierbei auch an das DFB-Pokal Finale 2014 als bei gleicher Spielpaarung den Dortmundern ein regulärer Treffer nicht anerkannt wurde. Auch wenn das bei Schiedsrichter-Entscheidungen keine Rolle spielen darf: Nach Spielen mit gravierenden Fehlentscheidungen steht es jetzt also 1:1 zwischen FCB und BVB.

Das Elfmeterschießen schließlich war an Slapstick kaum zu überbieten. Dass zwei Spieler hintereinander derart identisch ausrutschen wie Lahm und Alonso, wird wohl in den nächsten 100 Jahren nicht mehr passieren. Das kann man nur mit Pech beschreiben. Der dritte Schütze, Götze, setzt alles daran nicht auch noch auszurutschen und Langerak ahnt die Ecke. Manuel Neuer trifft schließlich die Latte. Was will man da machen?

Viel schlimmer als die Niederlage – das passiert halt mal – wiegen die Verletzungen von Robben und Lewandowski (9 Tore in den vergangenen 11 Spielen). Für Robben ist die Saison beendet, Lewandwoskis Einsatz mehr als fraglich. Und eines ist damit klar: Auch im Champions League Halbfinale werden „The real Badman Ribery und Robben“ ihre Superkräfte nicht auf den Platz bringen können. Die Fans werden dennoch alles geben, um selbige in den elf Jungs auf dem Platz zu wecken.