Rio de Janeiro: Stadt des Fußballs

Fußball regiert in Brasilien das öffentliche Leben und Straßenbild.Er ist omnipräsent und sorgt für Aufregung. Allerdings ist nicht alles Samba, Spaß und Sonnenschein. Die Proteste seit dem Confed-Cup 2013 sorgen weltweit für Aufsehen. Und dennoch – oder gerade deswegen? – ist Rio de Janeiro eine pulsierende Metropole.

Rio de Janeiro: Copa Cabana (c)Nils Borgstedt

Rio de Janeiro: Copa Cabana (c)Nils Borgstedt

Es gibt etwas in Rio de Janeiro, das fällt einem schon beim Anflug und bei jeder Fahrt durch die Stadt auf. Und es ist nicht die Cristus-Erlöser Statue und auch nicht der Zuckerhut. Nein, es sind Fußballplätze. Überall sind Fußballplätze. Diese Stadt lebt Fußball, nicht nur wegen ihrer vier großen Clubs Flamengo, Fluminense, Vasco und Botafogo. Immer und überall wird gekickt. Am Strand, in „Käfigen“, auf der Straße. Und natürlich im Maracana-Stadion, jenem Fußball-Tempel, an dessen Privatisierung und Modernisierung mit Steuergeldern sich ebenfalls Proteste entzündeten.

Rio de Janeiro – die ehemalige Hauptstadt

Die Sieben-Millionen-Metropole war bis 1960 Hauptstadt Brasiliens, ehe Regierung und Staatsapparat nach Brasilia umzogen, einer Planstadt par excellance, hochgezogen in nur drei Jahren. Das große Land sollte aus dem Zentrum heraus regiert werden, so die Überlegung. Doch auch ohne Regierungssitz zählt Rio nach wie vor zu den bekanntesten und beliebtesten Städten Brasiliens. Copa Cabana, Cristus-Statue, Zuckerhut – wer kennt sie nicht?

Rio de Janeiro ist nicht sicher? Es kommt darauf an…

Zwar ist Gewalt ein großes Thema in Rio de Janeiro, allerdings bekommt man davon am ehesten etwas im Fernsehen mit. Wer sich in Rio an das dortige Leben anpasst und ein paar Dinge beherzigt, lebt als Tourist relativ sicher. Wertgegenstände und teurer Schmuck sollten nicht offen getragen werden, bestimmte Gegenden – allen voran die Favelas – muss man meiden und nach Einbruch der Dunkelheit hat man am Strand nichts mehr verloren. Sollte man dennoch in eine kritische Situation geraten, heißt es: Ruhig bleiben, Forderungen erfüllen, keinen Widerstand leisten, langsame Bewegungen.

Stichwort: Favelas

In der Favela Guadalupe in Rio de Janeiro; (c)Nils Borgstedt

In der Favela Guadalupe in Rio de Janeiro; (c)Nils Borgstedt

Besonders hoch ist die Kriminalitätsrate in den Favelas, die größtenteils im Norden der Stadt liegen. Etwa 1000 dieser Armenviertel zählt alleine das Stadtgebiet von Rio de Janeiro. Die Versuche von Polizei und Regierung die Favelas zu befrieden sind zwar vorhanden, allerdings bisher (noch) nicht von Erfolg gekrönt. Es gibt es noch immer Gegenden, in denen andere die Gesetze machen. In solche Viertel kommt man nur mit Genehmigung des dortigen Drogenbosses, berichtet uns ein Einheimischer. Andernfalls spielt man mit seinem Leben.

Wer dennoch eine Favela besuchen möchte, kann geführte Touren machen. Ob sich allerdings die Armut anderer Menschen als Touristenattraktion anbietet, ist mehr als fragwürdig. Die Regierung jedoch hat ihre Entscheidung diesbezüglich gefällt: Ja, sie tut es. Seit 2010 gibt es ein Förderprogramm, das solche Touren ermöglicht. Einige ausgewählte, befriedete Viertel kann sich der geneigte Tourist zu Gemüte führen. Nur eine Viertelstunde Autofahrt reicht, um das andere Rio zu Gesicht zu bekommen, den Süden der Metropole. Luxus und Armut liegen in Rio so eng beieinander wie in kaum einer anderen Stadt.

Armer Norden, reicher Süden

Im Süden geht es nobler zu. Hochhäuser, Hotels, zahlreiche Restaurants, Bars und Geschäftsgebäude prägen das Stadtbild. Hier befinden sich auch die berühmten Strände Copa Cabana und Ipanema sowie das wohl beste Hotel der Stadt, das Copa Cabana Palace. Die Rolling Stones und Queen Elizabeth II. haben hier bereits gehaust. Anlässlich der WM und der olympischen Spiele sind weitere Bauten geplant, vor allem die Hafengegend wird – auch dank ausländischer Investoren – aufpoliert. Und was fehlt natürlich auch in dieser Stadtgegend nicht? Richtig, Fußballplätze. Sehr beruhigend für alle Fußballfans: Der größte Teil der kickenden Jungs und Mädels tritt nicht besser gegen den Ball als hiesige Freizeit-Messis.

Und so unterschiedlich Norden und Süden der Stadt sind, sie gehören zusammen. Etwa ein Drittel der Bewohner von Rio lebt in Slums. Viele von ihnen arbeiten im Zentrum. Abends, nach Feierabend, ist dort dann nichts mehr los. „Wir haben ein totes Herz“, berichtet ein Einheimischer. Und dennoch pulsiert die Metropole. Gerade wenn es um Fußball geht. Und sei es auch nur, wenn ein Fußball-Event Anstoß zu Protesten ist.